Strike Witches:Afrika Kapitel4

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Kapitel 4 - Weiter zur Basis

In Gedanken noch ganz bei Oblt. Ralls Worten, ging ich durch die Straßen und ehe ich michs versah, fand ich mich am Stadtrand der Feste Tobruk wieder. Oblt. Marseille und ihre Staffel waren nicht mehr allzu fern.

Ich blickte hinaus in die Wüste und sah eine einzelne Witch aus einem Wagen aussteigen und in meine Richtung kommen. Sie trug eine Uniform der Karlsländer Luftwaffe. Könnte sie ein Mitglied von Marseilles Staffel sein?

Auf meine Frage hin antwortete sie, dass sie in der Tat Marseilles Flügelmann sei. Was für ein Glück!

Ich wollte mich auf jeden Fall mit ihr unterhalten.

Ich sammelte meine journalistische Contenance, bereit, herauszufinden, wie die Menschen um Marseille von ihr dachten, und was es sonst noch über sie zu wissen gab, mit dem Endziel, sie schließlich selbst zu treffen.

Das Mädchen hieß Liesa Pöttgen, ihr Dienstgrad war Leutnant. Sie war noch ein neckisches, junges Ding, das, so vermutete ich, erst kürzlich die Offizierschule abgeschlossen hatte.

"Tina? Ja, manchmal macht sie es einem echt schwer, an ihr dranzubleiben."

Ich fragte, wen sie mit Tina meinte und sie erklärte, das sei Oblt. Marseilles Kosename. Wahrscheinlich des Tina in Justina wegen.

"Wissen Sie, Tina fliegt nicht so, wie es für den Rest von uns normal wäre. Für gewöhnlich bewegen wir uns mit voller Geschwindigkeit, sie aber hält ihre Maschine immer kurz vor dem Abwürgen und manchmal fährt sie sogar das Fahrgestell aus, um den Luftwiderstand zu erhöhen. Alles nur, um ihren Wenderadius so klein wie möglich zu halten."

Lt. Pöttgen zeigte mir, was sie meinte, indem sie Marseille mit ihren Händen imitierte. So war es wesentlich einfacher, nachzuvollziehen, wie Marseille flog, da man es nicht gut in Worte fassen konnte.

"Sie greift nicht an und zieht sich dann wieder zurück, sondern manövriert ihren Gegner in einem Spiel um Positionen aus, indem sie sich ihm nähert und dann fallen lässt, um den Neuroi von unten und von hinten anzugreifen. Immerhin sitzt der Kern bei vielen kleineren Neurois in der Nähe ihres Unterleibs."

Sie hob ihre linke Hand, die den Neuroi darstellen sollte, und tauchte mit ihrer rechten, sie in einer scharfen Wendung verdrehend, unter die linke ab. Hinter der linken Hand aufgetaucht, gab sie dieser mit der rechten einen Klaps.

"So holt sie diese Neuroi mit einem einzigen Feuerstoß vom Himmel. Danach dreht sie ihre Strike Unit wieder voll auf und prescht mitten durch die feindliche Formation, um sich ihr nächstes Ziel auszusuchen. Wenn man ihr zusieht, könnte man meinen, sie wäre eine Maschine, einzig und allein für den Luftkampf gebaut."

Lt. Pöttgen hatte, während sie mir die Details über Marseilles Luftkampf erläuterte, die ganze Zeit über ein Lächeln im Gesicht. Als Flügelmann oblag einem die schwere Aufgabe, zu bestätigen, ob und wo Neuroi abgeschossen wurden, und zur gleichen Zeit, ständig die Gesamtsituation in ihrer Entwicklung im Überblick habend, dem zugeteilten Piloten den Rücken von sich nähernden Feinden freizuhalten. Das war wohl bei Marseille kein Zuckerschlecken, bedachte man die akrobatischen Kunststückchen, von denen mir gerade erzählt wurden.

Ganz zu schweigen von der schieren Anzahl an Abschüssen, die ihr Flügelmann bestätigen musste.

Ich fragte sie, wie sie mit ihrer Rolle an Marseilles Seite zurechtkam, worauf sie vor Freude zu strahlen anfing.

"Du hast ja keine Ahnung, wie schwer es ist, überhaupt an ihr dranzubleiben. Aber Jobs, bei denen man die Möglichkeit hat, mit der Besten der Welt zu fliegen und ihr den Rücken freihalten zu dürfen, sind rar. Außerdem bin ich ja ihr Fan. Sie ist für uns alle hier in Afrika ein Idol, ein leuchtender Stern, der uns Hoffnung gibt. Allein mit ihr den weiten Himmel zu durchfliegen, davon träumen viele auf dieser Welt. Selbst wenn man mir anböte, mich dieser Pflicht zu entheben, würde ich keinen Augenblick zögern und ablehnen."

Ich konnte nachvollziehen, was sie meinte. Die Freude, die ihre Aufgabe ihr bereitete, überwog die Mühen, die sie machte.

Obwohl die Arbeit als ihr Flügelmann so hart war, hatte sie noch Spaß daran. Ich brannte nun förmlich darauf, Oblt. Marseille endlich kennenzulernen.

Da Lt. Pöttgen noch Geschäftliches in Tobruk zu erledigen hatte, machte ich noch ein paar Fotos von ihr und mich dann weiter auf den Weg zur Basis. Nachdem ich mittlerweile so viele Geschichten über Marseille gehört hatte, wollte ich sie so bald wie möglich treffen, was mich ein schnelleres Tempo einschlagen ließ.


Die Witches-Basis selbst lag leicht abseits von Tobruk auf einem Hügel, die Wohnquartiere anscheinend in einem nahen Tal. Entlang der Straße waren immer wieder Wegweiser an der spärlichen Vegetation um das Lager an Bäume genagelt oder an Büschen angebracht. Auf jede nur erdenkliche Art befestigt, wiesen dennoch alle in dieselbe Richtung.

Bei näherer Betrachtung eines der Schilder, las ich darauf folgende Nachricht: "Der Welt beste Jagdstaffel". Das sagte schon alles aus, was ich über die Moral der Staffel wissen musste.


Ein besonders großer Wegweiser fiel mir noch ins Auge, ein langer Pfosten mit mehreren Schildern in Pfeilform, die in verschiedene Richtungen zeigten.

Tripolis - 200 km. Alexandria - 600 km. Berlin 2400 km. London 3000 km... und auf dem letzten Schild, das ich unwillkürlich laut vorlas:

"Tokyo - 10000 km."

Es waren also wohl schon andere aus Fuso hier gewesen. Ich mochten vielleicht 10000 km Luftlinie bis Fuso sein, aber über den Seeweg war es ein Vielfaches davon. Der Suezkanal hätte den Weg verkürzen können, aber dieses Gebiet war fest in der Hand der Neuroi.



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